Vincent Kliesch – Auris – Die Frequenz des Todes

Vincent Kliesch – Auris – Die Frequenz des Todes

rezensiert von Nicole am 10.05.2020
Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Audible 

Titel: Auris – Die Frequenz des Todes
Reihe: Jula und Hegel (2/?)
Autor: Vincent Kliesch
Genre: Thriller
Verlag: Droemer TB
Seitenanzahl: 352
Erscheinungsdatum: 04.05.2020
ISBN-10: 342630760X
ISBN-13: 978-3426307601
Klappentext: Amazon

 

»Hilfe, mein Baby ist weg! Hier ist nur Blut …« Nach kurzen Kampfgeräuschen bricht der panische Notruf einer Mutter bei der Nummer 112 plötzlich ab. Wenn jemand aus diesem Tonfragment Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort der Frau ziehen kann, dann der forensische Phonetiker Matthias Hegel – den einige nach wie vor für einen Mörder halten.
True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge ist es zwar gelungen, Hegel vom Mordverdacht an seiner Frau zu entlasten, doch dabei ist sie der dunklen Seite des genialen Profilers deutlich zu nahe gekommen.
Als Hegel nun im Fall des entführten Babys erneut auf ihre Recherche-Fähigkeiten zurückgreifen will, weigert Jula sich zunächst. Doch kann sie das Baby und seine Mutter wirklich ihrem Schicksal überlassen? Und was ist mit den Informationen zu ihrem tot geglaubten Bruder Moritz, die Hegel ihr angeblich beschaffen will?

„Auris“ geht mit „Die Frequenz des Todes“ in die 2. Runde.

ENDLICH, kann ich dazu nur sagen, denn auf dieses Buch warte ich ja bereits ein Jahr lang sehnsüchtig.
Zudem war ich ganz aus dem Häuschen, dass die Fortsetzung des genialen Jula und Hegel-Gespanns sogar passend zu meinem Geburtstag veröffentlicht wurde. Leider musste ich dann schlussendlich feststellen, dass es Herr Kliesch tatsächlich schon wieder getan hat …

… Er hat mich auf der letzten Buchseite nicht nur mit einem fiesen Cliffhanger wie bei Band 1 zurückgelassen, sondern er hat die Story wahrhaftig mitten in einem Gespräch beendet! Zum Haareraufen war das!

Ich gebe euch diese Info bewusst vorab, denn ich finde, ihr müsst schließlich wissen, dass es Mut und Stärke erfordert, euch diesem Buch zu stellen.
Ihr werdet zwar ein echt fesselndes Leseabenteuer haben, aber daraus dennoch ein wenig unbefriedigt entlassen, da Teil 3 ja vermutlich erst 2021 erscheinen wird und einfach noch zig Fragen offen sind, die man beantwortet haben muss!

Dennoch sage ich ganz klar: Ihr braucht diesen Thriller, egal ob als Fortsetzung oder ob ihr „Auris“-Einsteiger seid!

Allen Neulingen der „Auris“-Reihe kann ich an dieser Stelle sagen, dass ihr zwar direkt bei „Die Frequenz des Todes“ starten könnt, da die im Klappentext erwähnte Baby-Entführung hier wirklich als Fall abgeschlossen wird. Jedoch zieht sich da, mit der persönlichen Hintergrundgeschichte von Jula und Hegel, ein roter Faden durch die Story, der noch ziemlich lang zu sein scheint, denn es ist da noch so viel offen.

Dieser zweite Band hat mich tatsächlich noch mehr überzeugt als der erste, denn die beiden Hauptcharaktere Jula und Hegel sind für mich nochmal stärker geworden.

Hegel, der forensische Phonetiker, ist der Mann, den in Polizeikreisen alle „Auris“ nennen, da er mittels seines super Gehörs ganze Verbrechenshergänge nachverfolgen kann. Zudem ist er der Mann mit den zig Geheimnissen.
Ich glaubte ja, ihn nach Band 1 ziemlich gut durchschaut zu haben. Er schafft es jedoch, hier im Buch nochmal einen drauf zusetzen, indem er noch undurchsichtiger und noch geheimnisvoller wirkt. Man spürt einfach, dass er immer noch jede Menge Dreck am Stecken hat und will natürlich alles erfahren.
Zudem lässt er uns in „Der Frequenz des Todes“ noch intensiver an seiner Arbeitsweise teilhaben. Ich fand es so genial, hautnah mitzuerleben, zu was das Gehör fähig sein kann und wie man ein Verbrechen nur anhand akustischer Reize analysieren kann.

Tja, und die True-Crime-Podcasterin Jula mochte ich durch ihre taffe, unerschrockene und fast schon freche Art ja von Anfang an total.
Sie hat so viel erlebt, hat so viele Probleme und sie beißt sich dennoch, oder gerade deshalb, immer wieder durch. Sie ist in diesem Band wahnsinnig stark, bietet Hegel Paroli und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen, nämlich seiner Arroganz und seiner Überheblichkeit. Das war großartig. Zudem liebe ich an ihr, dass Jula immer eine sehr sanftmütige Art sowohl Tätern, als auch Opfern entgegen bringt. Sie blickt stets hinter die Fassade und urteilt nicht vorschnell über das offensichtlich sichtbare.

Jula und Hegel sind einfach ein geniales Gespann. Sie haben schon einen echt besonderen Bezug zueinander, der sich nicht etwa durch eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung auszeichnet. Nein, ihre Basis ist geprägt von gegenseitigem Nutzen, einer Menge Misstrauen und ist eigentlich nur Mittel zum Zweck. Sie haben da auf privater Ebene einfach noch eine Menge zu klären, deshalb kocht die Luft zwischen den beiden, was natürlich keiner offen vor dem anderen zeigen würde.

Jula traut Hegel keinen cm weit und Hegel spielt ziemlich offensichtlich mit ihr, versucht das aber fantastisch zu ihren Bedingungen auszulegen. Er lässt ihr quasi keine Wahl und ködert sie häppchenweise mit Informationen, die sie schon so lange haben möchte. Man spürt ihren inneren Zwiespalt, den sie ganz automatisch in Hegels Nähe hat, hautnah.

Das alles sorgt für eine dauerhaft knisternde, intelligente und wortgewandte Atmosphäre zwischen den beiden und nebenbei lösen sie noch eine extrem spannende und nervenaufreibende Baby-Entführung.
Hierbei wird die Podcasterin mehr oder weniger unfreiwillig zur Hauptkommissarin, weil der Profiler Hegel aus Gründen, die ich hier nicht näher aufführen möchte, noch nicht so ganz aus seiner Haut kann. Hilfe bekommt Jula wieder von ihrem anonymen Hacker-Freund Hadrian, den ich auch unbedingt mal enthüllt wissen will. Er ist ein sehr interessanter Charakter.

Dieses Entführungs-Verbrechen, das ja eigentlich die Hauptgeschichte darstellt, ist hochkarätig spannend, atmosphärisch von der ersten Seite an und undurchsichtig bis zum Schluss!

Hier gibt es mehrere Erzählperspektiven, die schlussendlich zusammen geführt werden, um in einem ultimativen Finale zu enden, mit dem ich so in keinster Weise gerechnet habe.

Es geht rasant und teils schockierend zur Sache. Ihr werdet euch zwischendurch oft fragen, was denn da nur passiert. Ihr werdet mit rätseln, Theorien spinnen, Theorien verwerfen und neue Theorien entwickeln und dann … scheitern.

Ob Jula auch scheitert, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.
Hin und wieder dachte ich, dass der Zufall Jula ein wenig zu oft im großen Stil zur Hilfe kommt. Doch wer Bücher von Sebastian Fitzek kennt, der weiß, dass es bei ihm einfach keine Zufälle gibt.

Das Buch wurde zwar von Vincent Kliesch geschrieben, dessen einnehmender Schreibstil sich übrigens in keinster Weise hinter dem von Fitzek verstecken muss, man spürt jedoch eindeutig, dass Fitzek hier seine Finger mit im Spiel hatte. Von ihm stammt nämlich die Idee hinter allem und er selbst hat dieselbe Story, mit kleinen Änderungen in der Umsetzung, als gleichnamiges Hörspiel bei Audible heraus gebracht.

Ich überlege tatsächlich, mir das Buch nochmal in dieser Hörspielform anzuhören, um die Unterschiede zu entdecken und einfach die Atmosphäre nochmal auf akustische Art zu genießen. Würde ja irgendwie auch zum Inhalt des Buches passen. 🙂

So wie Fitzeks Werke ihren Handlungsort immer in Berlin haben, so
spielt auch die „Auris“-Reihe in der Hauptstadt.

Man hat durch die realen Schauplätze, die der Autor in die Geschichte einfügt, das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Das macht das Ganze noch viel authentischer.

Ich finde diesen realen Bezug ja genial und sehr spannend, da ich so das Empfinden habe, Berlin zu kennen, obwohl ich selbst tatsächlich noch nie da gewesen bin. Andere mögen das vielleicht noch viel spannender finden, gerade weil sie sich in Berlin zurechtfinden und die Orte wieder erkennen.

In diesem Beitrag des Audible Magazins könnt ihr euch sämtliche Handlungsorte mal näher ansehen, die alle bereits mal zu Schauplätzen in Fitzeks Werken werden durften, falls es euch interessiert.

Hier im Buch schlendern Jula und ein Kommissar übrigens mal am Seeufer der Krummen Lanke in Berlin-Zehledorf entlang, wir besuchen die JVA und ein Abrisshaus in Moabit, etliche Straßen, die wir durchqueren werden direkt namentlich genannt und wir fahren am Dianasee vorbei um im Villenviertel eine ganz bestimmte „Geistervilla“ zu besuchen. Auf diese dürft ihr gespannt sein.

Ach, eigentlich dürft ihr auf alles gespannt sein. 🙂

Auch hier in Band 2 ist das Verbrechen, dieses mal eine unter die Haut gehende Baby-Entführung, super spannend, atmosphärisch und undurchschaubar bis zum Schluss.
Wir werden auf falsche Fährten gelockt und können am Ende nur schockiert zurückblicken, wenn wir den wahren Tathergang erfahren, der nicht wirklich zu erahnen war.

Für mich lebt die „Auris“-Reihe jedoch hauptsächlich von dem genialen und ungleichen Jula und Hegel-Duo.
Die beiden sind unwahrscheinlich charismatisch, jeder auf seine Weise und ihre Zweckbeziehung sprüht vor Energie, Misstrauen und einer Neugier erweckenden Undurchsichtigkeit.

Der Autor füttert uns mit Band 1 quasi nur an.
Er präsentiert uns zwei spezielle und coole Hauptcharaktere, die ziemlich offensichtlich nicht zueinander passen, die aber abhängig voneinander sind, weil der eine etwas von dem anderen benötigt.
So schürt Vincent Kliesch unsere Neugier von Band zu Band, wiegt uns zwischendurch immer mal in Sicherheit, indem er uns mit Informationsbröckchen besänftigt und lässt uns schlussendlich jedoch nur mit unbefriedigendem Halbwissen zurück, weil er wieder eine neue Bombe platzen lässt.
Man braucht einfach mehr davon und am besten sofort. Mich hat der Autor jedenfalls am Haken.

☼eure Nicole☼

Rezension zu Band 1 „Auris“

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