Nadine Teuber – Henkers Mahlzeit

Nadine Teuber – Henkers Mahlzeit

rezensiert von Nicole am 22.03.2020
-Rezensionsexemplar-

Titel: Henkers Mahlzeit
Reihe: abgeschlossenes Buch
Autor: Nadine Teuber
Genre: Thriller
Verlag:
Seitenanzahl: 311
Erscheinungsdatum: März 2020
ISBN-10:
ISBN-13:
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Eine Gesellschaft, die in kollektiver Isolation durch Smartphones versinkt.
Eine Stadt voller Egozentriker.
Und mittendrin: Hanna.

Als die Polizei vor ihrer Tür steht, flüchtet sie mit Pierre, denn sie weiß genau, was sie getan hat. Doch wer sind die wortkargen Personen, die mit ihnen reisen? Hanna ist fest entschlossen, es herauszufinden, weiß sie doch, dass nicht jeder die Reise überleben wird …

Wenn du Menschen begegnest, die sich nichts mehr wünschen, als wieder Menschen zu sein, in all ihrer Einfachheit und all den minimalistischen Gedanken, wie Gott sie erschuf …

Wenn Menschen auftauchen, die in kein System oder keine Schublade gepresst werden wollen …

Wenn dir liebende, verzweifelte Mütter begegnen, die zu Kriminellen werden …

Wenn du auf Kinder triffst, die sich selbst vernachlässigt fühlen, die misshandelt werden
und das Gefühl haben, zu stören …

Wenn du auf Menschen stößt, die sich gehen lassen und einfach das Leben ohne nachzudenken an nehmen wie es am bequemsten ist, ohne Rücksichtnahme auf irgendwen, ohne mögliche Folgen zu beachten …

Wenn du Menschen siehst, die schlimme Fehler begehen, weil ihr Lebensziel zu verschwinden droht …

Wenn du bemerkst, dass offensichtliche Gutmenschen und stille Mitläufer aus sich heraus gehen und die Kontrolle verlieren und so richtig durch drehen …

Wenn du auf Moralprediger triffst, die Gott spielen und aus denen Richter und Rächer werden …

Dann bist du wohl in „Henkers Mahlzeit“ gelandet.

Man könnte auch sagen, du bist im echten Leben gelandet, denn dieser Thriller von Nadine Teuber spricht so viele Themen an, die uns alle betreffen, ja in denen wir uns alle in irgendeiner Form wieder finden.

Die Autorin führt uns das alles gnadenlos, ehrlich, knallhart, wachrüttelnd, blutig, brutal, ziemlich überspitzt und in höchstem Maße übertrieben vor Augen.
Das Buch liest sich hoch realistisch und dann wieder weit entfernt von jedem Glaube und erfüllt von Wahnsinn.

Man hat auf der einen Seite das Gefühl, eine gesellschaftskritische Satire zu lesen, zwischendurch mal wieder einen philosophischen Roman über das Leben und dann *bähm* schlägt der blutige Thriller wieder zu!

Das war phänomenal und grandios und ich habe das in der Art noch nie gelesen. Außer vielleicht bei einem Tarantino-Film gesehen!

Man fliegt nur so durch die Seiten und obwohl uns die Autorin ziemlich viele verschiedene Charaktere und somit eine Menge Erzählperspektiven um die Ohren haut, die schlussendlich alle irgendwann zusammen geführt werden, hat man zu keiner Zeit das Gefühl, den Überblick zu verlieren.
Nadine Teuber zeichnet jeden Charakter unwahrscheinlich leicht, aber total genau und bildlich, dass ich jeden von ihnen auf der Straße wieder erkennen würde.

Ich kann nun das Buch nicht einfach zu klappen und sagen: „Hey, das war ja nur ein Buch!“
Dazu war es zu echt, zu nah an der Wirklichkeit und zu nah am Menschen, wie ich selber einer bin, aber auch zu nah am unvorstellbaren Wahnsinn.

Hier ist irgendwie jeder ein Opfer und gleichzeitig ist jeder ein Täter und das ist der gruseligste und erschreckendste Gedanke von allen.

Inhaltlich muss und möchte ich hier rein gar nichts verraten. Diese Geschichte muss selber erlebt werden.

Ihr befasst euch mit den menschlichen Werten, Moralvorstellungen, geht den Fragen nach, was richtig und was falsch ist. Ihr reflektiert das alles selbst, denn korrekte Antworten auf all diese Gedanken gibt es natürlich nicht.

Ihr begegnet Mit-dem-Strom-Schwimmer, Gegen-den-Strom-Schwimmer, Systemaussteiger, Back-to-the-roots-Denker und bekommt Einblicke, wozu offenkundig „normale“ Menschen fähig sind.

Ihr stellt euch die Frage, ob Menschen nicht im Endeffekt alle Egoisten sind, die nur an ihr eigenes Wohl oder Vergnügen denken und sich mit ihren Handlungen nur hinter wohlwollenden Gedanken verstecken.

Themen wie Tierversuche, Behinderungen oder die fortlaufende Technik finden einen Raum, aber allem voran wird der extreme Handykonsum,der ein menschliches Miteinander bremst, mehr als sozialkritisch durchleuchtet.

Hauptprotagonistin ist hier Hanna, eine liebevolle Erzieherin mit genauen Vorstellungen von Werten und Moral. Sie erzählt als einzige aus der Ich-Perspektive, während alle anderen Personen die 3. Person als Erzähler einnehmen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte nicht überlegen und einen Blick ins Buch werfen.
Aber Vorsicht, der Wahnsinn wartet auf euch.

„Henkers Mahlzeit“ ist eine Mischung aus einem philosophischem Roman, einer gesellschaftskritischen Satire und einem blutigem, völlig wahnsinnigem und abgedrehtem Thriller .

So könnte das Buch einige ansprechen, da es in viele Genre passt, man sollte nur Blut sehen können, wenn man kein klassischer Thrillerleser ist.

So oder so bekommt man keine leichte Kost, sowie viel Gut zum Nachdenken, Schmunzeln, Schockiert und Angewidert sein, geboten.

Einiges ist total überzogen und unwirklich dargestellt, aber es passt perfekt zum Bild und Werk.

Eine absolute Leseempfehlung gibt es von mir, gerade auch, weil das Buch echt mal etwas anderes ist.

☼eure Nicole☼

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