Michael Ende – Die unendliche Geschichte

Michael Ende – Die unendliche Geschichte

rezensiert von Nicole am 15.03.2019
– Rezensionsexemplar –

Titel: Die unendliche Geschichte
Reihe: abgeschlossenes Buch
Autor: Michael Ende
Genre: Fantasy für Jugendliche, empfohlen ab 12
Verlag: Thienemann
Seitenanzahl: 480
Erscheinungsdatum: Jubiläumsausgabe 15.01.2019 (Erstausgabe 1979)
ISBN-10: 3522202600
ISBN-13: 978-3522202602
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Bastian Balthasar Bux entdeckt in einer Buchhandlung ein geheimnisvolles Buch, „Die unendliche Geschichte“. Begeistert liest er von den Abenteuern des Helden Atréju und seinem gefährlichen Auftrag: Phantásien und seine Herrscherin, die Kindliche Kaiserin, zu retten. Zunächst nur Zuschauer, findet er sich unversehens selbst in Phantásien wieder. TU WAS DU WILLST lautet die Inschrift auf dem Symbol der unumschränkten Herrschaftsgewalt. Doch was dieser Satz in Wirklichkeit bedeutet, erfährt Bastian erst nach einer langen Suche. Denn seine wahre Aufgabe ist es nicht, Phantásien zu beherrschen, sondern wieder herauszufinden. Wie aber verlässt man ein Reich, das keine Grenzen hat?

Ein Meisterwerk zu rezensieren, welches bereits 40 Jahre lang die Bücherwelt erobert, ist gar nicht so einfach, denn man will unbedingt die richtigen Worte finden. Viele kennen leider nur den Film, der dem Buch leider nicht gerecht wird und man muss wissen, wenn der Blockbuster zu Ende ist, dann hat man gerade mal das halbe Buch gelesen.

Ich bin mit diesem Buch groß geworden, es war meine erste große Bücherliebe und nun, fast 30 Jahre später, liebe ich dieses Juwel noch viel mehr, weil man es als erwachsene Person nochmal auf einer ganz anderen Ebene wahr nimmt. Es steckt voller Tiefsinn, poetischer Offenbarungen, unterschwelligen Lebensweisheiten und hält jede Menge wundervolle philosophische Botschaften bereit. Die Kunst ist lediglich, dass man das alles erkennen muss. Als Kind habe ich das tatsächlich auch nicht alles erfasst, wie ich es jetzt beim erneuten Lesen getan habe.

Für mich hat sich nach all den Jahren aber nichts geändert, als ich das Buch aufgeschlagen habe. Ich war mit den ersten Worten gefangen, habe mit und durch Bastian die größten Abenteuer erlebt, habe gelacht, geliebt, gelitten und mit gefiebert. Man nimmt die Phantasie auf eine ganz besondere Art und Weise wahr, wie ich persönlich es bisher kein zweites mal erlebt habe.

Bücher über „Bücher“ sind an sich schon grandios, doch „Die unendliche Geschichte“ liest man nicht einfach nur, man fühlt sie, man ist in ihr, ihrer Geschichte und der Phantasie gefangen und man kann schon bald nicht mehr die Grenzen zwischen unserer Welt und Phantásien auseinander halten. Ist ja aber auch kein Wunder, denn Phantásien hat keine Grenzen, wie uns das Buch bereits nach kurzer Zeit aufführt.

Hinzu kommt, dass das Buch eine ganz edle und besondere Aufmachung geniest. Es ist samtig rot, mit dem AURYN-Symbol, dem Zeichen Phantásiens, auf dem Umschlag und hat in seinem Inneren zwei verschiedene Schriftfarben, zum kennzeichnen, in welcher Welt wir uns gerade befinden. Man spürt einfach, dass man einen ganz wertvollen Schatz in der Hand hält und es ist wirklich genau dasselbe Buch, in welchem auch Bastian, der Hauptcharakter liest. Kein Wunder also, dass seine Geschichte auch irgendwie unsere ist oder?

Die einzige Veränderung zur Erstausgabe aus 1979 ist der nun schwarze Schutzumschlag, den ich aber sogar noch passender finde und auf die besonders schön illustrierten Anfangsbuchstaben wurde verzichtet, die ein neues Kapitel einläuten und sich früher über eine ganze Buchseite erstreckt haben. Nun sind die Anfangsbuchstaben immer noch nett ausgearbeitet, aber leider bei weitem nicht mehr so künstlerisch ausgeprägt wie damals.

„Die unendliche Geschichte“ ist ein Abenteuer, kein unbedingt nur glückliches und friedvolles, denn schließlich geht es um Leben und Tod. „Das Nichts“ hat Phantásien befallen und es droht mit all seinen wunderbaren und vielseitigen Bewohnern ausgelöscht zu werden.

Der Gedanke, dass keine Bücher mehr gelesen werden und somit Phantásien, stellvertretend für unsere eigene Phantasie, stirbt, hat mich während dem Lesen fortlaufend bestürzt und mich mit Bastian auf der ganzen Linie mitfiebern lassen.

Das Buch hält neben einem grandiosen Fantasyabenteuer, so viele Botschaften bereit. Es macht Mut, immer an sich zu glauben und für sich selbst und andere einzustehen, denn ein jeder ist besonders. Auch gibt es Kraft, dass man selbst im Dunkel niemals allein ist, auch wenn man das glaubt. Jeder kann ein Held sein und jeder sollte niemals die Fähigkeit verlieren zu träumen, zu hoffen und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Es ist zudem ein Buch über die Macht der Wünsche, Liebe, Freundschaft, Selbstvertrauen und Glück und wie alles miteinander verbunden ist.

Die unendliche Geschichte ist zeitlos, sie ist grandios und definitiv nicht nur für jugendliche Leser geeignet, ich bin da das beste Beispiel. In meinen Augen ist es fast eine literarische Bildungslücke, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Und ich spreche hier eindeutig vom Lesen, denn die Buchverfilmung ist zwar auch irgendwie nett, aber sie löst bei weitem nicht das im eigenen Inneren aus, was sie sollte. Der Film ist gute Unterhaltung, das Buch ist reine und tiefgründige Philosophie.

Ein philosophisches Meisterwerk, welches zwar schon 40 Jahre lang auf dem Büchermarkt zu finden ist, aber immer noch so wahr, lebhaft und lehrend für jedermann sein kann. Wunderbar, dass es durch die neue Jubiläumsausgabe wieder mehr Aufmerksamkeit genießt.
Ein Buch nicht nur für Jugendliche, im Gegenteil. Erwachsene erkennen vielleicht sogar noch konkreter, welche Botschaften uns Michael Ende hier übermitteln wollte und mit diesen Offenbarungen hat der Autor nicht gegeizt.
Man liest ein wahres Fantasyabenteuer durch die Augen eines 10 jährigen Jungen und begibt sich mit ihm auf eine Reise durch Phantásien, die eigene Phantasie und zu seinem inneren Selbst.
Falls es da draußen wirklich noch Menschen gibt, die „Die unendliche Geschichte“ nicht gelesen haben, ändert das! 🙂

☼eure Nicole☼

Ein Gedanke zu „Michael Ende – Die unendliche Geschichte

  1. Eine wunderschöne Rezension! Auch ich bin schon mittendrinnen und begleite Atréju wieder auf der Suche nach dem Retter Phantàsiens. Dieses Buch ist so unglaublich mehr als der Film oder das Hörspiel vermitteln können. Und wie du so schön sagst, Ja, due Unendliche Geschichte ist ein philosophisches Meisterwerk! Liebe Grüße Nana Shar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.