Marah Woolf – Fluch der Aphrodite

Marah Woolf – Fluch der Aphrodite

rezensiert von Nicole am 16.03.2020

Titel: Fluch der Aphrodite
Reihe: abgeschlossenes Buch
Autor: Marah Woolf
Genre: Fantasy/Liebe
Verlag: Eigenverlag Nova MD
Seitenanzahl: 460
Erscheinungsdatum: 06.03.2020
ISBN-10: 3966982366
ISBN-13: 978-3966982368
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Vor über dreitausend Jahren kämpfte Apoll an der Seite der Trojaner, um die Stadt vor den Griechen zu schützen. Doch seine Schwäche für das weibliche Geschlecht ließ ihn diese Aufgabe viel zu oft vergessen. Als Troja unterging, gab Aphrodite ihm die Schuld daran und verfluchte ihn. Nie wieder sollte eine Frau sich in den Gott des Lichtes verlieben. Nun hat Zeus Apoll aus Mytikas, der Heimat der Götter, zu den Menschen verbannt und ausgerechnet Aphrodite soll ihn unterstützen, den Fluch zu brechen. Mit Hilfe eines Tinder-Accounts, zweifelhaften Liebesromanen und den gut gemeinten Ratschlägen seiner Freunde versucht er ein Mädchen zu finden, das sich trotz des Fluchs in ihn verliebt. Ein fast aussichtsloses Unterfangen. Und dann tauchen auch noch uralte Feinde auf, die nicht zulassen wollen, dass er sein Glück findet und in den Olymp zurückkehrt. Er muss sich Gegnern stellen, die jahrhundertelangen Hass in sich tragen. Das ist Apolls Geschichte. Atemberaubend und fesselnd. Romantisch und amüsant.

Endlich gibt es wieder etwas Neues von Marah Woolf!
In dem Fall bedeutet „neu“ auch wirklich „neu“, denn „Fluch der Aphrodite“ ist das erste Buch der Autorin, welches auf Wunsch ihrer Leser als Spin-off der „Götterfunke-Reihe“ geschrieben wurde. Meiner Meinung nach sollte man diese Reihe auch wirklich vorher gelesen haben, da man nur so in den vollen Genuss kommt, denn sämtliche Charaktere in ihrer Art stammen ja von dort. Es geht zwar sicher auch als stand-alone, nur dann eben nicht ohne gewisse Aha-Effekte und Hintergrundinfos der menschlichen mitwirkenden Charaktere.
Ebenfalls neu ist, dass dieses Buch eine reine und wahrhaftige Liebesgeschichte im Fantasygenre ist. Hier ist die große Macht der Liebe wirklich das zentrale Thema und in dem Bereich wird es wirklich sehr tiefgründig.
Zudem ist es eine Geschichte über das Verletzen und Vergeben, über das Fehler machen und das Selbstreflektieren.

Apoll ist sexy, witzig und sarkastisch. Der Gott ist einfach ein charmanter Kumpeltyp zum Gernhaben!
So habe ich ihn damals in „Götterfunke“ kennen gelernt.
Tja, dass er es allerdings auch nicht über den Kumpeltyp hinaus geschafft hat, wäre hier auch schon das Stichwort.
Schnuckelchen Apoll wurde nämlich vor langer Zeit von der Göttin Aphrodite verflucht. Keine Frau möge sich in ihn verlieben, wenn er nicht selbst in der Lage wäre, wahrhaftig und mit ganzem Herzen zu lieben.

Furchtbar oder? Warum hat sie das nur getan?

Wir erfahren hier in diesem Buch nun endlich die Hintergründe zu dem Fluch und machen dazu eine intensive Reise in die Zeit des trojanischen Krieges, wo alles seinen Ursprung fand. Hier erleben wir einen ganz anderen Apoll, wie wir ihn aus Götterfunke gewohnt sind und werden nebenher gleichzeitig durch Schilderungen geschichtlicher Ereignisse super von der Autorin gebildet. Das fand ich sehr gelungen und hat der Auffrischung meiner Geschichtskenntnisse sehr gut getan.

Apoll war vor über 3000 Jahren ein Womanizer der Extraklasse. Er beglückte viele Frauen nebenher gleichzeitig, behandelte sie zwar alle respektvoll, aber natürlich machte er sie auch unglücklich, da sie sich in ihn verliebten.
Wie Apoll damit umging und was genau nun Aphrodite, die Göttin der Liebe, damit zu tun hatte, müsst ihr natürlich hautnah selbst im Buch erleben. Ich verrate euch nur so viel: Apoll glaubt nicht an die Liebe. Er wirkt dauerhaft verletzt und traurig und er belügt sich jeden Tag aufs Neue selbst. Er ist wankelmütig, badet in Selbstmitleid und versteckt seine wahren Gefühle. Er hat im Grunde  Angst vor sich selbst,  Angst vor seinen eigenen Gefühlen und läuft deshalb lieber davon.  Ist ja auch viel bequemer. Oder vielleicht doch nicht?

„Immer den Zyniker zu spielen, ist auf Dauer sehr anstrengend.“
(Zitat Apoll aus „Fluch der Aphrodite“ von Marah Woolf)

Hach ja, die Götter haben es schon generell nicht einfach. So sind sie doch so stark und mächtig und möchten sich wohl keine Fehler eingestehen. So gehen sie alle irgendwie leichtfertig mit Gefühlen um und irgendwie hatte gefühlt jede Göttin mit jedem Gott auch schon mal eine Liaison.
Das bringt wohl die Unsterblichkeit und den damit verbundenen Mangel an Auswahl automatisch mit sich. Zum Glück gibt es aber durchaus auch Götter, denen Werte wie Respekt und Vertrauen wichtig sind und die aus Liebe alles tun würden. Seid gespannt darauf, so gibt es tolle und eher verabscheuungswürdige göttliche Varianten. Liebe kennt halt keine Grenzen.

Nach dem Vergangenheitsrückblick wieder zurück in unserer Zeit, sind Apoll und Aphrodite nun also dazu verdonnert  worden, ihre Fluch-bedingten Angelegenheiten unter den Menschen zu klären.  Welch ein Wortspiel,  schließlich war es Zeus höchstpersönlich, der die beiden auf die Erde schickte. Die ach so starken und über allem erhabenen Götter drücken nun die Unibank,  arbeiten in Cafés, surfen im Internet,  ja sie nehmen einfach am menschlichen Leben teil und sie scheinen es teilweise wirklich zu genießen, „das Mensch sein“.
Ich habe mich hier während dem Lesen ziemlich amüsiert über die beiden Götter. Sie schrauben ihr Leben total herunter und erfinden es für sich neu, vergessen dabei hin und wieder sogar den eigentlichen Grund ihres Besuches bei den Menschen, den Fluch!

Tja, doch die Liebe ist eben die Liebe und diese ist auf dem Olymp und in Santa Barbara nun mal die Gleiche, unabhängig vom Jahrhundert oder von einer göttlichen oder einer menschlichen Herkunft. Es gibt also jede Menge Drama und wir Leser sind von jeder Menge unausgesprochener Gefühle umgeben.

Wird Apoll es endlich schaffen über seine wahren Gefühle zu reden,  wo die Menschen es ihm doch sogar vor machen?
Ihr werdet es im Buch erfahren. Aber seid gewiss, Götter sind harte Nüsse und scheinen alles so viel schwerer zu nehmen.

„Nur solange niemand weiß, was wir wirklich fühlen,  sind wir vor Verletzungen sicher. Aber solange werden wir auch nie erfahren, ob unsere Gefühle erwidert werden.“
(Zitat Apoll aus „Fluch der Aphrodite“ von Marah Woolf)

Apolls Geschichte liest sich für mich wie eine Offenbarung sämtlicher Emotionen. Und sie ist wirklich auch seine ganz persönliche Geschichte, die er auch aus seiner Sicht erzählt. So sind mir leider aber auch ein paar andere Charaktere etwas blasser erschienen. Ich konnte mich so super in Apoll rein fühlen, konnte seinen Zwiespalt wirklich verstehen, jedoch hat mir bei Aphrodite ein wenig der überspringende Funke gefehlt.

Die Mischung aus Vergangenheit und Zukunft, der Besuch bei alten Bekannten aus „Götterfunke“ und die emotionale Thematik waren toll aufeinander abgestimmt und ich bin sehr zufrieden mit dem Ende, auch wenn es natürlich bereits ein wenig vorhersehbar war. Das Buch besticht nun mal nicht durch einen außergewöhnlichen oder überraschenden Plot, sondern es lebt vom Zwischenmenschlichen, von den Gefühlen. Für mich ist „Fluch der Aphrodite“ somit ein sehr gelungener Spin-off, wenn man nicht mit der Erwartungshaltung heran tritt, ein typisches Marah Woolf-Buch zu lesen. Typisch ist lediglich der einnehmende und fesselnde Schreibstil, die Story an sich ist mit nichts ihrer Werke vergleichbar.
Aber gerade das macht das Buch für mich auch aus.


„Fluch der Aphrodite“ liest sich anders als alle anderen Fantasywerke der Autorin. Thematisch geht es hier um Emotionen generell und es wird gefühlsmäßig sehr tiefgründig. Wir beschäftigen uns durch Apoll als Hauptprotagonist, mit der echten und wahrhaftigen Liebe, die man sich erst mal eingestehen muss, an die man glauben muss, bei der man vergeben und vergessen können muss, wenn man verletzt wurde und für die man etwas riskieren muss. Für mich ist dieses Buch ein Muss für alle Fans von Apoll aus „Götterfunke“, für alle, die es emotional tiefgründig mögen und für alle Liebhaber der griechischen Mythologie generell.

☼eure Nicole☼

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