Leonie Haubrich – Die Totenkünstlerin

Leonie Haubrich – Die Totenkünstlerin

rezensiert von Nicole am 22.09.2019
-Rezensionsexemplar-

Titel: Die Totenkünstlerin
Reihe: abgeschlossenes Buch
Autor: Leonie Haubrich
Genre: Psychothriller
Verlag: Independently published
Seitenanzahl: 244
Erscheinungsdatum: 23.08.2019
ISBN-10: 1688169180
ISBN-13: 978-1688169180
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Jeder Tod ist einzigartig. Das Foto, mit dem sie ihn festhält, muss Vergangenheit und Zukunft verbinden, den Moment in seiner Schönheit und seinem Schrecken festhalten. Gleichzeitig muss die Totenkünstlerin dafür sorgen, im Verborgenen zu bleiben. Jahrzehntelang ist ihr das gelungen.
Eigentlich wollte sie Ellen schon als Kind töten. Doch aus dem Kind, das sich nicht erinnern kann, ist eine junge Frau geworden, die nicht nur in alten Todesfällen gräbt, sondern der Wahrheit gefährlich nahe kommt.
Das ruft die Totenkünstlerin erneut auf den Plan.

Mit „Die Totenkünstlerin“ erwartet euch ein sehr tiefgründiger Spannungsroman.
Für mich fällt das Buch nicht in die Sparte Psychothriller, denn dafür hat mir schlussendlich der Thrill gefehlt, was aber nicht heißen soll, dass ich das Buch nicht fesselnd fand!

Meiner Meinung nach führt der Klappentext hier bereits ein wenig in die Irre. Er gibt uns bereits kleine Einblicke in die Machenschaften der Totenkünstlerin. Tatsächlich taucht besagte Totenkünstlerin aber nur 3 mal kurz auf, um ihre Gedanken zum Besten zu geben. Mehr Auftritte hat sie nicht. Auch wird zwischendurch nicht von ihr geredet, weil sie niemandem bekannt ist. Sie wird uns Lesern quasi ganz zu Beginn des Buches vor gestellt, darf sich zwei mal kurz zwischendurch zu Wort melden und wird am Ende entlarvt. That’s it.

Es ist ganz klar hauptsächlich die Geschichte von Ellen, die wir hier lesen und nicht die der Totenkünstlerin. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, aber man sollte da einfach mit den richtigen Erwartungen an das Buch heran treten.

Ellen’s Leben geht sprichwörtlich den Bach runter. Sie bekommt eine Hiobsbotschaft nach der anderen und während sie die eine anpackt und sich voller Tatendrang auf deren Lösung stürzt, so kommt sie mit der unvermeidlichen Trennung von ihrem treulosen Lebensgefährten so gar nicht klar, quält sich dabei selber und bleibt handlungsunfähig.
Ellen hat dabei unheimlich authentisch auf mich gewirkt. Ich konnte ihre Handlungen nicht immer für gut heißen, konnte mich aber absolut in sie hinein versetzen und sie somit verstehen.

Der Schreibstil der Autorin ist hierbei wirklich unglaublich fesselnd und wahnsinnig tiefgründig, er ist einfach gehalten und sehr direkt. Man fliegt ganz automatisch durch die Geschichte. Diese baut sich wirklich ganz langsam und allmählich auf, hat aber dennoch ein flottes Erzähltempo.

Ich habe allerdings zu Beginn wirklich die Anzeichen für einen klassischen Psychothriller gesucht, denn Ellas, teils schon sehr tragische Erlebnisse, haben mich eher auf einen klassischen Roman oder ein Drama schließen lassen.

Doch fließend übergehend, befindet man sich irgendwann nur noch in einem Strudel merkwürdiger Geschehnisse wieder. Ellas Leben gerät immer mehr aus den Fugen, man sucht mit ihr Antworten und fragt sich, in welche Richtung man denken muss und was da eigentlich genau von statten geht oder ging. Man traut auch keinem mehr so wirklich über den Weg. Hier hatte ich wieder tolle Spannungsmomente.

Das Ende ging mir allerdings definitiv zu flott. Ich bin sicher, wenn einige Charaktere, die da ins Spiel gebracht wurden, noch ein paar mehr Auftritte bekommen und für mehr Verwirrspiele gesorgt hätten, denn das Potential hatten sie wirklich alle, dann hätte das Buch noch viel spannender werden können. Auch haben mir da einfach Antworten gefehlt, wo ich gerne mehr erfahren hätte.

Mir war die Täterin ziemlich schnell klar und ich war dann etwas enttäuscht, dass ich recht hatte. Ich hätte gerne noch mehr über die Totenkünstlerin generell erfahren und hätte mir gewünscht, dass sie während der Geschichte öfter zu Wort kommt und uns persönliche Einblicke gibt.
Im Grunde hat es für mich schlussendlich gar nicht in die Geschichte hinein gepasst, dass die Totenkünstlerin, die Totenkünstlerin ist, da ich ihre „Arbeit“ ja gar nicht wirklich miterlebt habe. Wäre die Täterin eine ganz „normale“ Frau ohne diese spezielle psychische Anomalie gewesen, hätte es für mich sogar besser ins Gesamtbild gepasst.
Da sich in Ellas Geschichte aber alles um verschiedene Künstlerberufe und die Lebenseinstellung und Lebensweise von Künstlern generell dreht, die ja nicht so recht in das der Norm entsprechende Denkbild eines Durchschnittbürgers hinein passt, sollte die Mörderin hier vermutlich auch eine Künstlerin sein.

Ich fand die Idee grundsätzlich mega gut, auch, dass es sich bei dem Täter mal um eine Frau handeln soll, weil das viel zu selten der Fall ist, aber für mich war das Potential der Story bei weitem noch nicht aus geschöpft.

Leonie Haubrich schreibt nun mal wahnsinnig intensiv und tiefgründig, deshalb konnte mich die Geschichte trotz der erwähnten Kritikpunkte zwar dennoch fesseln, jedoch um ganz rund zu sein, hätte ich auch einen intensiveren Abschluss aller Charaktere benötigt, wenn sie schon so authentisch eingeführt werden.

Für mich kein Psychothriller im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein tiefgründiger Spannungsroman.

Das Buch war zwar durchweg fesselnd für mich, aber an einigen Stellen für mich nicht gänzlich zufriedenstellend ausgereift, um zu einer runden Geschichte zu werden. Ich bin irgendwie ein wenig unzufrieden zurück geblieben, weil ich mir noch Antworten gewünscht habe.

☼eure Nicole☼

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