Hayley Barker – Die Arena 1

Hayley Barker – Die Arena 1

rezensiert von Nicole am 21.09.2019
-Rezensionsexemplar-

Titel: Die Arena – Grausame Spiele
Reihe: Cirque (1/2)
Autor: Hayley Barker
Genre: Jugend-Dystopie
Verlag: Wunderlich (Rowohlt Verlag)
Seitenanzahl: 480
Erscheinungsdatum: 17.09.2019
ISBN-10: 380520048X
ISBN-13: 978-3805200486
Bildquelle/Klappentext: Amazon

London in der nahen Zukunft. Die Gesellschaft hat eine Spaltung vollzogen: Die Pures leben komfortabel und luxuriös, während die Dregs ausgegrenzt, geächtet und unterdrückt werden. Manchen Familien der Dregs werden ihre Kinder entrissen und zum “Zirkus” gebracht, wo die jungen Artisten zum Amüsement der Pures hungrigen Löwen begegnen oder waghalsige Hochseilakte liefern.
Hoshiko ist der Star auf dem Hochseil – sie vollbringt jeden Abend Unglaubliches, 15 Meter über dem Boden, ohne Fangnetz. Jede Vorführung könnte ihre letzte sein – und genau darauf lauern sensationslüstern und mit fasziniertem Grauen ihre Zuschauer. Doch dann begegnet Hoshiko dem Sohn einer hochrangigen Pure-Politikerin, Ben, der den Zirkus besucht – und verliebt sich in ihn, gegen alle Regeln. Ben begreift erst nach und nach die Realitäten, die hinter seinem komfortablen Leben stehen und wendet sich gegen seine eigene Klasse – für Hoshiko, das Mädchen, das er liebt. Um sie zu retten, begibt er sich in tödliche Gefahr.

Puh, was für ein Buch! Es zu beschreiben fällt mir nicht leicht, denn ich habe sehr unterschiedliche Gefühle durchlebt während dem Lesen.

In erster Linie war ich geschockt und angewidert von der Menschheit höchstpersönlich.
Wir werden da in eine Welt in der Zukunft geworfen, die einen so krassen Wandel vollzogen hat, dass es nur noch 2 Klassen von Menschen gibt, die Pures und die Dregs.
Genau genommen werden die Dregs gar nicht als Menschen anerkannt, denn sie werden von den überheblichen und über alles erhabenen Pures als niederer Abschaum an gesehen, als Müll, den es von der Welt zu entsorgen gilt, mit dem man machen kann, was man will und zwar wortwörtlich gemeint.
Dieses Szenario hat die Autorin so absolut fantastisch und gleichzeitig grauenvoll verstörend in Worte gefasst, dass da dauerhaft ein echter Horrorfilm vor meinem Auge abgelaufen ist. Ich musste das Buch oft fassungslos zur Seite legen, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass Menschen zu solch niederen Gedanken und Taten fähig sind.
Es lag bereits nach kurzer Zeit klar auf der Hand: nicht die Dregs sind der Abschaum der Welt, sondern die Pures.

Ich fühlte mich gedanklich in die Zeit und die Machenschaften des ersten Weltkrieges zurück katapultiert, die Parallelen sind erschreckend enorm, die Thematik also hochsensibel und gleichzeitig alarmierend aktuell.
Da es sich hier um ein Jugendbuch handelt, hat mir die Verarbeitung des brisanten Themas Rechtsradikalismus also sehr gut gefallen, da man einfach nicht oft genug darüber reden kann, jedoch ist „Die Arena“ empfohlen ab einem Alter von 12 Jahren und das finde ich persönlich etwas bedenklich.
Die Autorin hat ihrer Fantasie, was die Brutalität und abartigen Gedanken der Pures an geht, wahrlich freien Lauf gelassen und die Bilder, die sie in meinem Kopf hat entstehen lassen, könnten mit einem verdammt guten Horrorthriller mithalten, insofern würde ich dieses Buch frühestens Jugendlichen ab 14 Jahren empfehlen und dann auch nur, wenn sie nicht zartbesaitet sind.

Ein Grund, warum alles so realistisch echt wirkt ist, dass die Geschichte ausschließlich aus der Sicht des reichen Pure-Jungen Ben und dem Zirkus-Dreg-Mädchen Hoshiko erzählt wird.
Hier treffen wirklich beide Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und in angenehm kurzen Kapiteln geben die zwei Jugendlichen ihre Sicht und Gefühle wieder.
Manchmal bekommen wir gleiche Situationen aus beiden Perspektiven geschildert, was ich großartig fand. Wir durchleben also sämtliches Grauen von beiden Gesellschaftsseiten hautnah mit.
Ich konnte mit den beiden jungen Menschen absolut mitfühlen und ihre inneren Gedanken verstehen und nachempfinden.

Die Autorin hat den inneren Zwiespalt von Ben, der anfängt nachzudenken und sein Leben in Frage zu stellen, wahnsinnig authentisch dargestellt.
Der Mensch neigt leider dazu, sich großen, angesehenen Gruppen oder wahllos der Mehrheit anzuschließen, nicht mehr selber zu denken, sondern einfach blind mitzumachen, egal wie offensichtlich falsch alles zu sein scheint.

Doch Ben ist da etwas dazwischen gekommen.
Ihm ist Hoshika passiert. Wir alle kennen vielleicht die Macht der ersten Liebe. Ben fängt an, gegen die Gesellschaft zu denken, er beginnt selbst zu denken, er hört auf sein Herz und er vollzieht einen inneren Wandel.

„Denke selbst. Urteile selbst. Triff deine eigenen Entscheidungen.“
(Zitat „Die Arena – Grausame Spiele“ S.106)

Auch Hoshika, die Hauptattraktion des Zirkus, wurde wahnsinnig authentisch dargestellt. Sie wirkt so hart, denn das Leben hat sie gezeichnet, doch auch sie vollzieht einen Wandel, auch wenn sie das zunächst nicht wahr haben will.

Das Grauen hat hier übrigens zwei Namen: Silvio Sabatini und Vivian Baines.
Sie sind die personifizierte Abartigkeit, jeder auf seine Weise. Auf sie dürft ihr gespannt sein, jedoch solltet ihr sie fürchten.

Ich fand das Buch wirklich sehr spannend, wollte immer tiefer in die Geschichte eintauchen, wenngleich ich gerne die Augen vor den Machenschaften des Zirkus verschlossen hätte oder Ekel vor den Menschen empfunden habe, die ihn zur eigenen Belustigung besuchen.

Allerdings wurden mir diese Erzählungen irgendwann auch echt zu viel. Einige Dinge wurden wie ein Mantra ständig wiederholt. Mich hat es genervt, immer neue abartige, beschämende und nicht in Worte zu fassende Geschehnisse zu lesen, denn ich hatte die Situation ja bereits mehr als erfasst.
Ich hatte genug und wollte nicht noch mehr solcher abscheuliche Beispiele lesen oder sich wiederholende Beteuerungen von Ben und Hoshika durchleben, ich wollte, dass die Geschichte nach vorne gebracht wird, dass etwas veränderndes passiert.

Zum Glück kam dann im letzten Drittel eine Wende! Für mich kam sie noch genau zur rechten Zeit und war bitter nötig, sonst hätte ich das Buch, so grandios ich es auch fand, abgebrochen.
Ab diesem erwähnten und heiß ersehnten Abschnitt ist Hochspannung bis zum Schluss garantiert. Die Ereignisse überschlagen sich und schließen mit einem Ende, der mich in freudiger Erwartung auf den finalen Band zurück lässt.

Hier setzt die Autorin übrigens nochmal einen drauf, denn ihr Repertoire an abartigen Ideen, um die Menschheit schlecht aussehen zu lassen, scheint einfach grenzenlos zu sein.
Ich hoffe, ich werde die Bilder in meinem Kopf irgendwann wieder los.

Ein paar kleine Logiklücken gab es für mich in der Umsetzung mancher Handlungen, aber da Hayley Barker für mich eine echte Meisterin ist, einen auf eine emotionale Achterbahn mitzunehmen, war das für mich schlussendlich nicht der Rede wert.

Ein wahrlich angsteinflößendes und erschreckend real wirkendes Setting hat die Autorin da im ersten Teil ihrer Dystopie-Dilogie geschaffen.
Auch wenn es ein Fantasybuch ist, konnte ich es auf unsere Gesellschaft umdenken, was auf der einen Seite erschreckend und gleichzeitig genial war.

Ich empfehle „Die Arena“ mutigen und taffen (jungen) Menschen, die keine Angst davor haben, hautnah mitzuerleben, zu was für grauenvolle Taten und Gedanken wir Menschen fähig sein können.

„Die Arena“ ist absolut fesselnd und hochkarätig emotional. Die Geschichte durchleuchtet alle Seiten auf erschreckende Art und Weise und regt absolut zum Nachdenken an. Es ist ein Buch zum Mitfühlen.

Das Buch sensibilisiert für das enorm wichtige Thema Rechtsradikalismus, mit dem Appell, immer mit dem Herzen und vor allem selbständig zu denken, anstatt sich einem stupiden und offensichtlich falschen System anzupassen.

☼eure Nicole☼

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