Hakan Nesser – Der Choreograph

Hakan Nesser – Der Choreograph

rezensiert von Nicole am 19.02.2020
-Rezensionsexemplar-

Titel: Der Choreograph
Reihe: abgeschlossenes Buch
Autor: Hakan Nesser
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: btb Verlag
Seitenanzahl: 256
Erscheinungsdatum: 17.02.2020
ISBN-10: 3442758777
ISBN-13: 978-3442758777
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Ein Mann und eine Frau. Er sieht sie eines Tages, als der Winter vorbei ist; etwas zögerlich sucht sie ein Kleid in einem Laden aus. Sie gefällt ihm. Sie erwidert seinen Blick. So werden sie – gelenkt von einer unüberwindlichen Choreographie – zu einem Liebespaar. Fahren schließlich gemeinsam zu einem abgelegenen Ferienhaus. Aber warum verschwindet sie immer wieder? Und warum hält er auf einmal ein Messer in der Hand?

Da ich noch nie einen Roman von Hakan Nesser gelesen habe,  jedoch schon  immer neugierig auf eines seiner Werke war,  habe ich nun die Chance ergriffen, sein damaliges Debüt zu lesen, das zu seinem 70-jährigen Geburtstag als Sonderausgabe erstmals in deutsch übersetzt und veröffentlicht wurde.

In der Ich-Perspektive geschrieben, was ich sehr mag,  habe ich von Anfang an mit dem Protagonisten, der seine eigene Geschichte hier erzählt, mitgefiebert.
Wir gehen seinen Weg wirklich hautnah mit, erhalten Einblicke in  seine   Lebenssituation und seine Gedanken, bekommen interessant und  intelligent geschriebenen Nebeninput, der auf den ersten  Blick tatsächlich  unwichtig erscheint und durchleben natürlich die alles entscheidende  Begegnung mit Maria,  die das Leben unseres Hauptcharakters für immer nachhaltig verändern wird.

Ich würde euch gerne seinen Namen nennen. Doch der wird im Buch nicht genannt. Genauso wenig wie Jahresangaben oder bestimmte Städtenamen. Diese Anonymität ist sicher gewollt und passt zur Buchatmosphäre.

Der Autor hat ein Händchen dafür,  einen  auf eine spannende  und vor allem bildliche Reise mit zu nehmen.
Er tut das auf eine sehr ruhige und philosophische Art und Weise.
Zudem lässt er seinen Protagonisten sehr direkt und gleichzeitig völlig undurchsichtig berichten.
Diese Kombi war zwar teilweise merkwürdig, aber auch irgendwie genial. Ich habe das in der Form noch nicht oft kennen gelernt und behaupte somit, dass der Schreibstil des Autors wirklich sehr speziell ist. Entweder man mag ihn oder nicht. Hier gibt es glaube ich keinen Mittelweg.

Zeiten und Orte wechseln kapitelweise abwechselnd, fügen sich am Schluss  zusammen und lassen einen mit zig Gedanken zurück.

Teilweise ging es sehr tiefgründig zur Sache und dann auch wieder gar nicht.  Ich wurde tatsächlich nicht immer schlau aus allem Gelesenen.
Dennoch war ich immer neugierig darauf, wie es weiter geht und wollte die Geschichte zu Ende gebracht wissen.

Schlussendlich muss man sich dann tatsächlich sein eigenes Ende spinnen, man  muss die Worte zwischen den Zeilen nochmal  nachträglich überdenken und so zu seinem eigenen Abschluss kommen.
Ganz zufrieden war ich mit dieser Situation  nicht,  denn ich mag geklärte Geschichten, brauche zumindest ein geklärtes Ende.  Aber das ist ja reine Geschmackssache.  Raum für  viele Interpretationen gibt „Der Choreograph“ allemal.

Im Vorwort habe ich erfahren,  dass sich gewisse Elemente aus diesem Buch, in späteren Werken des Autors wieder finden.
Das werde ich wohl überprüfen müssen, die Neugier hat mich gepackt.
Für Fans des Autors läuft es wohl andersherum, sie werden nun einige Aha-Effekte haben, da dieses Buch ja seine Premiere in der deutschen Übersetzung hat.

Die Story ist eine Mischung aus einem philosophisches Werk, einer dramatischen Liebesgeschichte, einem undurchsichtigen Krimi und irgendwie auch ein wenig Mystery. Sie liest sich sehr emotional aber auch ziemlich sachlich, was eine abgedrehte Kombi ist, wie ich finde.

Bis zum Schluss weiß man eigentlich nicht wohin alles führen wird und selbst das Ende ist nicht klar definiert.

Wer also Geschichten mag,  die  Raum für eigene  Interpretationen lassen,  der sollte mal einen Blick in dieses Debüt von Hakan Nesser werfen,  dessen roter Faden sich  wohl in vielen weiteren seiner  Werke wiederfinden soll, wie ich  durch das Vorwort erfahren habe.
Da ich nur dieses erste Buch von ihm kenne,  kann ich dazu aber nichts sagen, bin aber interessiert, es heraus zu finden.

☼eure Nicole☼

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