Eva-Maria Obermann – Tropfen der Ewigkeit

Eva-Maria Obermann – Tropfen der Ewigkeit

rezensiert von Nicole am 12.07.2018
– Rezensionsexemplar –

Titel: Tropfen der Ewigkeit
Reihe: abgeschlossenes Buch (Teil 13 der Märchenspinnerei)
Autor: Eva-Maria Obermann
Genre: Märchenadaption
Verlag: Nova MD
ISBN-10: 3961116423
ISBN-13: 987-3961116423
Seitenanzahl: 260
Erscheinungsdatum: 13.07.2018
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Ein Mädchen im Turm.
Eine fürsorgliche Mutter.
Ein furchtbares Geheimnis.

Valeria lebt ein behütetes Leben unter den wachsamen Augen ihrer Mutter, der berühmten Ärztin und Erfinderin Stella Asterida, bis beide in einer Nacht und Nebelaktion im Ätherschiff fliehen müssen. Im neuen Heim darf sie ihr Turmzimmer kaum noch verlassen. Valeria ist einem Geheimnis auf der Spur in dessen Zentrum sie selbst und die grausame Geschichte um ihren Vater, dem Drachen, der keiner ist, stehen. Dabei kann sie niemandem vertrauen. Nicht Stella, die für ihren größten Traum zu allem bereit ist. Nicht Minna, ihrer stummen Freundin, die selbst in Anschläge auf Valeria verwickelt zu sein scheint. Nicht einmal sich selbst. Valeria muss eine folgenschwere Entscheidung treffen, um sich nicht selbst zu verlieren.

Rapunzel mal anders: In “Tropfen der Ewigkeit“ lässt Eva-Maria Obermann Rapunzel im Steampunk-Milieu auferstehen. Der Klassiker aus der grimmschen Märchensammlung wird zum spannenden Kampf um Wahrheit und Selbstbestimmung.

Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich neugierig auf das neue „Rapunzel“, welches aus dem Steampunk-Milieu auferstehen soll.

Ich musste „Steampunk“ tatsächlich erst einmal googeln, denn ich konnte mir unter dem Genre so gar nichts vorstellen. Alt trifft hier irgendwie auf neu und modern und zeigt uns eine komplett andere, aus der viktorianischen Zeit entstandene Zukunft, wie sie vielleicht hätte sein können.

Ich war gleich drin in dieser Welt, geprägt von großem Reichtum, aber auch absoluter Armut und Krankheit, beherrscht von moderner Technik, Macht, Intrigen und der sich abschuftenden, abhängigen Gesellschaft.
Tja und dort mitten drin steckt Valeria, unser „Rapunzel“.
Obwohl, mittendrin ist eigentlich das falsch gewählte Wort, denn vielmehr ist Valeria gefangen in ihren eigenen 4 Wänden, gefangen in einem nicht selbst gewählten Leben und gefangen in ihrem ganzen Sein.
Ihre Mutter, die reiche, berühmte, machthungrige und absolut selbstverliebte Ärztin und Erfinderin Stella, entscheidet und bestimmt über jedes kleine Detail in Valerias Leben. So ist Valerias kompletter Tagesablauf durchstrukturiert und sie lebt tagein tagaus das gleiche Leben. Materiell fehlt es ihr an absolut nichts, aber sie trifft keine Entscheidung allein, denn das hat sie nie gelernt. Sie gehorcht stets und hinterfragt nichts. So lebt sie monoton in ihrem Zimmer, verlässt dieses so gut wie nie und tut, was ihre Mutter ihr aufträgt.
Valerias Wünsche sind winzig und beschränken sich lediglich auf ein paar Zitronenbäume im Garten, den sie so gut wie nie besuchen darf.

Ich muss sagen, diese gesamte Atmosphäre rund um Valerias Leben war absolut toll und ergreifend! Valeria ist so hochkarätig naiv, selbstaufgebend und gleichzeitig so unschuldig, herzensgut und rein, dass man sie zwar ständig heftig wachrütteln möchte, ihr aber für ihr lähmendes Nichtstun und fast schon stupides Hinnehmen ihrer Situation einfach nicht böse sein kann, schließlich hat sie es nie anders kennen gelernt.

Ihre Gedanken und Handlungen kommen hautnah rüber, und haben mich sehr bewegt.
Die Taten von Stella kamen bei mir übrigens genauso echt an! Ich habe sie von Anfang an mit jeder Faser meines Herzens gehasst, dafür hat die Autorin bestens gesorgt.

Dann eines Tages passiert etwas, eine Änderung im Tagesablauf und die mittlerweile 16 jährige Valeria beginnt zu grübeln, nachzudenken, und auch zu handeln.
Misstrauen ist geschürt, das Abenteuer beginnt und wir begeben uns mit Valeria auf die Suche nach dem großen Geheimnis, das direkt vor unserer Nase sitzt und erahnen lässt, dass wir in tiefe Abgründe blicken werden bei dessen Auflösung.

Ich habe mit Valeria mitgefiebert. Ich habe sie innerlich angefeuert, sich zu erheben, für sich einzustehen und auszubrechen. Ich wollte ihr unbedingt helfen und dem Geheimnis unbedingt auf die Spur kommen.
Absolute Spannung von Anfang bis Ende war mir hierbei garantiert. Stets begleitet haben mich dabei eine leicht depressive Stimmung, sowie ein lauerndes Misstrauen, wer wirklich Gut und Böse ist.

Valerias Weg von Anfang bis Ende ist in diesem Buch definitiv das Ziel und dieser Weg war für mich durchweg fesselnd und spannend.

Die Parallelen zum Original sind übrigens auch spitze, denn das ist mir bei einer Adaption immer sehr wichtig. Das Märchen „Rapunzel“ selbst wird sogar erwähnt und einen Märchentouch bekommt die Geschichte allein schon durch ein eigenes Märchen, das Valeria von ihrer Mutter seit Kindertagen erzählt bekommt. Das wurde sehr schön miteinander verwebt.

Ich ziehe für mich im Gesamtergebnis lediglich ein halbes Bewertungsbüchlein ab, weil mir der Schluss mit der Auflösung im Vergleich zum Ganzen ein wenig zu schnell und selbstverständlich kam und somit für mich nicht komplett nachvollziehbar war. Das ist aber wirklich Kritik auf hohem Niveau und verschlechtert die Geschichte in keinerlei Weise.

Eine für mich sehr gelungene Märchenadaption, die sowohl einen sehr eigenen und speziellen Touch hat und andererseits viele Parallelen zum Original-Märchen Rapunzel auf weißt. Ich empfehle das Buch allen, die gerne Spannungsromane mit einem dramatischen Touch lesen.
Machthunger, sowie die Suche nach dem inneren Selbst und dessen Verwirklichung sind hier die zentralen Themen, die in eine wirklich mitreißende Geschichte verpackt wurden.

☼eure Nicole☼

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