Christina Löw – Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein

Christina Löw – Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein

rezensiert von Nicole am 23.07.2019
-Rezensionsexemplar-

Titel: Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein
Reihe: abgeschlossenes Buch (Teil 17 der Märchenspinnerei)
Autor: Christina Löw
Genre: Märchenadaption
Verlag: Christina Löw (Nova MD)
Seitenanzahl: 312
Erscheinungsdatum: 13.07.2019
ISBN-10: 3964434183
ISBN-13: 978-3964434180
Bildquelle/Klappentext: Amazon

Drei Geschwister
Zwei Kulturen
Ein Kater

Yuki würde sich am liebsten nur auf ihre Design-Karriere konzentrieren, doch die Realität sieht anders aus: In der Agentur muss sie sich mit eifersüchtigen Kolleg*innen herumschlagen und das Familienessen am Wochenende wird von Auseinandersetzungen mit ihren älteren Geschwistern überschattet. Als dann auch noch ihr Vater stirbt und sie Familienkater Sasuke erbt, gerät ihre Welt vollends aus den Fugen: Denn der Kater kann nicht nur sprechen, er mischt sich mit seinen magischen Pfoten auch gern in alle Bereiche ihres Lebens ein … selbst in Sachen Liebe.

Der gestiefelte Kater einmal anders. In »Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein« spinnt Christina Löw aus Elementen des grimmschen Märchens eine moderne Fabel über Geschwisterstreit und Familienbande, zweite Chancen und den Umgang mit Verlust sowie die Suche nach der eigenen Identität.

„Der gestiefelte Kater“ gehört ganz sicher nicht zu meinen Lieblingsmärchen. Die Botschaft, die die Geschichte mir vermittelt, nämlich, dass andere sich um das eigene Wohl kümmern, man sich selbst zurücklehnen kann, nicht selbst kämpfen muss und dann auch noch das eigene Glück auf Kosten anderer geht, missfällt mir doch sehr.

Christina Löw hat sich mit „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ genau dieses Märchen vor genommen und sie hat es tatsächlich geschafft, mich mit dem Original zu versöhnen.

Yuki, unsere Hauptprotagonistin, lebt allein, ruht sich in ihrer Freizeit gerne aus oder zockt Computerspiele und irgendwie hat man den Eindruck, dass sie alles zu erschöpfen scheint.
Auf der einen Seite wünscht sie sich große Aufträge an der Arbeit, freut sich auf der anderen Seite aber auch über wenig Eigenverantwortung. Sie hat selten eine eigene Meinung und wenn doch, dann steht sie nicht offen und deutlich dafür ein. Auch wird sie an der Arbeit gemobbt, behält dies aber mangels Beweisen lieber für sich. Sie hat einfach Probleme damit, den Mund aufzumachen oder den Hintern hoch zu kriegen, um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen.

„Ich hoffe, du machst es dir in deinem Glashaus nicht allzu gemütlich“, sagte er nur und verschwand dann im inneren der Wohnung.
(Zitat aus „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ von Christina Löw)

Und jetzt kommt das für mich Interessanteste an dem Buch überhaupt, denn diese Geschichte von Christina Löw geht da weiter, wo das Original-Märchen endet und das fand ich einfach nur spitze!
Die Autorin macht quasi wieder das gut, was der Kater und der Müllers-Sohn in meinen Augen an Moral und menschlicher Notwendigkeit im Original verbockt haben. Sie räumt auf und zeigt, wie es richtig geht. Sie führt vor Augen, dass man sich eben nicht jammernd versteckt, den Kopf ein zieht und bequeme Wege geht, sondern dass man sich erhebt und sich selber für seine Ziele einsetzt und dann dabei auch noch Rücksicht auf andere nimmt.

Soweit war ich wirklich von der Grundbotschaft mehr als begeistert, doch leider hat mir die inhaltliche Umsetzung nicht allzu sehr zugesagt.

Wir begehen mit Yuki gleich zu Beginn mehrere Szenen, erleben z.B. ein klassisches wöchentliches Familienessen oder gehen mit ihr zur Arbeit. Das waren alles sehr gefühlsintensive Momente, aber sie waren auch recht knapp und sprunghaft und ich fragte mich, woran genau ich mich jetzt festhalten soll oder was genau denn inhaltlich nun eigentlich vertieft werden wird und in welche Richtung sich die Geschichte generell entwickeln wird. Ab der Hälfte des Buches war dann recht schnell klar, dass Yuki sich auf den Weg zu ihrem inneren Selbst machen wird.

Und ab da war ich leider raus, denn das ist das so gar nicht mein Ding. Wenn so eine Identitätssuche im Rahmen des Plots nebenher mit einfließt, ist das absolut ok für mich, aber nicht, wenn eine Selbstfindung zum Hauptthema wird und alles andere in den Hintergrund rückt.

Vielleicht lag es auch daran, dass mir Yuki einfach von Grund auf nicht sehr sympathisch war und mich das japanische Rahmensetting auch nicht allzu sehr angesprochen hat.

Da das aber wirklich meinen ganz persönlichen Geschmack wider spiegelt, kann das Buch für euch natürlich perfekt sein, wenn euch die Thematik anspricht und ihr gerne mit einer Protagonistin auf Identitätssuche geht. Christina Löw nimmt einen da wirklich gefühlsmäßig auf diese Reise mit, wenn man diese denn antreten möchte.

„Der gestiefelte Kater“ mal anders, denn dieses Buch setzt dort an, wo das Original endet und lässt Yuki, die Hauptprotagonistin, nachdenken und sich selber finden. Dieser Weg zu ihrem inneren Selbst ist quasi der rote Faden des Buches.

Die erste Hälfte fand ich sehr spannend, ab der zweiten Hälfte konnte ich mich nicht mehr so richtig auf die Story einlassen, denn ich mag Bücher leider nicht so gern, die sich ausschließlich auf die Hauptprotagonistin mit ihren inneren Konflikten fokussieren, bzw. hat mir hier das Zusammenspiel mit der restlichen Geschichte nicht zugesagt.

Getreu dem ersten Roman der Autorin, kommen auch hier wieder tierisch-phantastische Elemente zum Einsatz.

☼eure Nicole☼

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